Um das ChatGPT-Training zu deaktivieren, führt OpenAI einen Schalter in den Datenkontrollen auf. Ein X (ehemals Twitter) Nutzer wirft nun die Frage auf, ob das genügt: Über OpenAIs Privacy-Portal lässt sich zusätzlich ein Trainingswiderspruch einreichen.
ChatGPT-Training deaktivieren: So funktioniert es
Für ein angemeldetes Konto beschreibt OpenAI diesen Weg:
- Das Profilmenü in ChatGPT öffnen.
- Einstellungen und anschließend Datenkontrollen auswählen.
- Die Option zur Modellverbesserung öffnen. In der englischen Oberfläche heißt sie "Improve the model for everyone".
- Den Schalter ausschalten und den angezeigten Status prüfen.
Die Einstellung gilt laut OpenAI für das gesamte Konto, auch auf anderen angemeldeten Geräten. Die Chats bleiben im Verlauf verfügbar. Auf dem Smartphone führt der Weg über das Seitenmenü und das Profil zu den Datenkontrollen. Bezeichnungen können je nach Sprache und App-Version abweichen. Quelle: Data Controls FAQ.
Die Zusage bezieht sich auf neue Gespräche nach dem Opt-out. Sie verspricht kein rückwirkendes Entfernen bereits trainierter Inhalte aus einem Modell. Quelle: OpenAI zur Nutzung von Trainingsdaten.
Was der X-Thread über ChatGPT-Datenschutz zeigt
Contente dokumentiert in seinem Thread vom 9. September 2026 zunächst einen deaktivierten Trainingsschalter. Über den Hilfelink gelangt er zu einer Erklärung über die Nutzung von Inhalten und anschließend zum Privacy-Portal. Dort kann er erneut einen Trainingswiderspruch einreichen. Im letzten Beitrag räumt er selbst ein, dass es sich um eine redundante Einstellung handeln könnte.
Bild 1: Die Übersicht zeigt den Status Off. Screenshot: Edoardo Contente, Beitrag 1/9.
Bild 2: Das Detailmenü trennt Modellverbesserung und Sprachaufnahmen. Screenshot: Edoardo Contente, Beitrag 2/9.
Bild 3: Der Hilfetext erläutert die allgemeine Trainingsregel. Er zeigt keinen individuellen Kontostatus. Screenshot: Edoardo Contente, Beitrag 3/9.
Bild 4: Der Verweis auf das Privacy-Portal löst die Nachfrage aus. Screenshot: Edoardo Contente, Beitrag 4/9.
Die entscheidende Unterscheidung: Ein erneut verfügbares Formular ist kein Nachweis dafür, dass ein vorheriger Widerspruch unwirksam war. OpenAIs Data Controls FAQ beschreibt den Schalter als Opt-out und erklärt, dass auch frühere Widersprüche über Support oder Datenschutzformular im Konto berücksichtigt werden. Ein zwingender zweiter Antrag zusätzlich zum ausgeschalteten Schalter lässt sich daraus nicht ableiten.
Wofür das OpenAI Privacy-Portal gedacht ist
Das offizielle Privacy-Portal bietet einen weiteren Zugang zu Datenschutzanfragen. Der im Thread gezeigte Ablauf dokumentiert einen zusätzlichen Antrag; er beweist nicht, dass dieser für alle ChatGPT-Konten erforderlich ist.
Die Screenshots zeigen zunächst die Auswahl "Do not train on my content". Danach folgt ein Formular mit Wohnsitzland und einer Bestätigung für die zukünftige Nutzung. Schließlich erscheinen eine Eingangsbestätigung und eine Abschlussmeldung. Je nach Region oder Kontotyp kann der Ablauf abweichen.
Bild 5: Die Auswahl für den Trainingswiderspruch. Screenshot: Edoardo Contente, Beitrag 5/9.
Bild 6: Das Formular fragt das Wohnsitzland ab. Screenshot: Edoardo Contente, Beitrag 6/9.
Bild 7: Der Antrag wurde eingereicht. Screenshot: Edoardo Contente, Beitrag 7/9.
Bild 8: Die Abschlussmeldung bestätigt die Bearbeitung des gezeigten Antrags. Screenshot: Edoardo Contente, Beitrag 8/9.
Trainings-Opt-out, Verlauf und Memory unterscheiden
Die Einstellungen beantworten unterschiedliche Fragen. Eine abgeschaltete Modellverbesserung beendet nicht jede Verarbeitung von Daten.
| Kontrolle | Was sie betrifft | Was damit nicht automatisch erledigt ist |
|---|---|---|
| Trainings-Opt-out | Nutzung neuer Gespräche zur Modellverbesserung | Bereits gespeicherte Chats löschen |
| Chat löschen | Gespräch aus dem Konto entfernen und Löschung anstoßen | Dateien in der Library entfernen |
| Memory verwalten | Persönlichen Kontext für spätere Antworten steuern | Sämtliche ursprünglichen Datenquellen löschen |
| Temporärer Chat | Gespräch führen, das zunächst temporär bleibt | Datenverarbeitung durch eingebundene Drittanbieter verhindern |
Die folgenden Abschnitte erklären die jeweiligen Grenzen anhand der zugehörigen OpenAI-Dokumentation.
Freiwilliges Feedback kann eine Ausnahme sein
Auch nach einem Trainings-Opt-out kann OpenAI laut eigener Dokumentation ein vollständiges Gespräch zur Modellverbesserung verwenden, wenn dazu freiwillig Feedback gesendet wird, etwa über die Daumenbewertung einer Antwort. Bei vertraulichen Gesprächen sollte diese Freigabe daher bewusst geprüft werden. Außerdem nennt OpenAI separate Einstellungen für das Training mit vollständigen Codex-Umgebungen. Diese werden durch den ChatGPT-Schalter oder das Privacy-Portal nicht geändert. Quelle: OpenAI zur Datennutzung.
Temporäre Chats haben eigene Regeln
Solange ein Chat temporär bleibt, wird er laut OpenAI nicht für das Modelltraining verwendet. Für Sicherheitszwecke kann eine Kopie bis zu 30 Tage aufbewahrt werden; die europäische Datenschutzerklärung nennt mögliche längere Aufbewahrung bei rechtlichen oder sicherheitsbezogenen Pflichten.
Die aktuelle FAQ unterscheidet außerdem personalisierte und nicht personalisierte temporäre Chats. Ein personalisierter temporärer Chat kann bestehenden persönlichen Kontext nutzen. Wird das Gespräch später gespeichert, wird es zu einem regulären Chat und folgt anschließend den Konto-Einstellungen. Daten, die über GPT-Aktionen an Dritte gelangen, unterliegen deren Regeln. Quellen: Temporary Chat FAQ, europäische Datenschutzerklärung.
Memory ist persönliche Erinnerung, kein Trainingsschalter
Memory hilft ChatGPT, Kontext für spätere Antworten zu verwenden. Die Verwaltung liegt unter Einstellungen, Personalisierung und Memory. Zum vollständigen Entfernen einer Information können mehrere Schritte nötig sein: Die Erinnerung selbst sowie die ursprünglichen Quellen müssen berücksichtigt werden. Dazu können frühere Chats oder Dateien gehören. Auch verbundene Apps können weiterhin entsprechende Informationen liefern. Quelle: Memory FAQ.
Chats und hochgeladene Dateien getrennt prüfen
Reguläre Chats bleiben grundsätzlich gespeichert, bis sie gelöscht werden. Nach dem Löschen sieht OpenAI normalerweise eine Entfernung aus den Systemen innerhalb von 30 Tagen vor, mit Ausnahmen etwa für rechtliche Pflichten oder bereits vom Konto getrennte Daten. Archivieren entfernt lediglich den Eintrag aus der normalen Ansicht.
Bei Konten mit Library werden dort gespeicherte Dateien separat verwaltet. Ein gelöschter Chat löscht diese Dateien nicht automatisch. Projektdateien und Dateien eigener GPTs haben ebenfalls eigene Aufbewahrungsregeln. Quelle: Regeln für Chats und Dateien.
Sprachaufnahmen separat berücksichtigen
Für Audio- und Videoaufnahmen gibt es zusätzliche Freigaben. Nach OpenAIs Angaben werden die Clips nur bei entsprechender Freigabe zum Training verwendet. Transkripte und andere Inhalte einer Sprachunterhaltung können dagegen bei aktivierter Modellverbesserung als Trainingsdaten dienen, abhängig von Tarif und Einstellungen. Ein ausgeschalteter Schalter für Audioaufnahmen allein beantwortet deshalb noch nicht die Frage nach dem Gesprächstranskript. Quelle: ChatGPT Voice, Abschnitt Data controls.
ChatGPT Plus und Pro sind keine Business-Datenschutzgarantie
Für persönliche Workspaces nennt OpenAI Free, Plus und Pro als Tarife, in denen Datenfreigabe standardmäßig aktiviert ist und abgeschaltet werden kann. Ein bezahltes Privatabo bedeutet damit nicht automatisch, dass Trainingsnutzung ausgeschlossen ist. Quelle: OpenAI zu persönlichen Workspaces.
Bei ChatGPT Business, Enterprise und Edu sowie der API werden Ein- und Ausgaben nach OpenAIs Angaben standardmäßig nicht zum Training verwendet. Ausdrückliche Datenfreigaben bleiben gesondert zu beachten. Für geschäftliche Einsätze bietet OpenAI unter anderem eine Vereinbarung zur Auftragsverarbeitung an. Welche weiteren Kontrollen verfügbar sind, hängt vom Produkt ab. Quelle: Enterprise Privacy.
ChatGPT und DSGVO: Was für Deutschland relevant ist
Die europäische Datenschutzerklärung nennt für Menschen im Europäischen Wirtschaftsraum OpenAI Ireland Limited als Verantwortlichen. Sie beschreibt auch Verarbeitung außerhalb Europas, einschließlich der USA. Der Trainingsschalter ist deshalb keine Zusage für eine ausschließlich europäische Datenverarbeitung.
Zu den beschriebenen Betroffenenrechten gehören Auskunft und Berichtigung sowie Löschung und Datenübertragbarkeit. Je nach Rechtsgrundlage kommen Widerspruch oder Widerruf hinzu. Anfragen können über das Konto oder das Privacy-Portal gestellt werden. Eine Beschwerde bei der zuständigen Datenschutzaufsicht bleibt möglich. Quelle: europäische Datenschutzerklärung, Abschnitte 6, 10 und 12.
Für Unternehmen folgt daraus keine pauschale Freigabe, personenbezogene Daten in ChatGPT einzugeben. Die Orientierungshilfe der Datenschutzkonferenz zu KI und Datenschutz fordert unter anderem eine passende Rechtsgrundlage und klare interne Regeln. Ein Opt-out ersetzt die Prüfung des konkreten Einsatzes nicht.
Praktische Datenschutzregeln für den KI-Alltag
Aus den genannten Quellen ergibt sich für KI Weekly folgende Arbeitsweise:
- Nur die Informationen eingeben, die für die Aufgabe erforderlich sind. Für eine Formulierungshilfe reichen häufig Platzhalter statt echter Namen oder Kundendaten.
- Vertrauliche Unternehmensunterlagen nur in dafür freigegebenen Arbeitsumgebungen verwenden. Die Freigabe sollte Zweck und zulässige Datenarten festlegen.
- Bei sensiblen Vorgängen besonders streng prüfen, ob die Eingabe erforderlich und zulässig ist. Ein geänderter Name allein beseitigt nicht zwingend jeden Personenbezug.
- Vor dem Verbinden externer Apps deren Berechtigungen und Datenschutzregeln prüfen. Der OpenAI-Trainingswiderspruch bindet nicht automatisch andere Anbieter.
- Beim Aufräumen neben dem Chat auch Library und persönliche Erinnerungen berücksichtigen. Einstellungen nach Produktänderungen erneut prüfen.
Diese Empfehlungen orientieren sich an der Datenschutzkonferenz und den oben verlinkten Produktregeln. Für den Werkzeugvergleich bietet KI Weekly einen Überblick über ChatGPT-Alternativen. Auch dort müssen die jeweiligen Datenschutzbedingungen separat geprüft werden.
Häufige Fragen zum ChatGPT-Trainings-Opt-out
Muss der Widerspruch zweimal abgegeben werden?
Ein zusätzlicher Pflichtantrag im Privacy-Portal ist durch die geprüften Quellen nicht belegt. OpenAI beschreibt den ausgeschalteten Trainingsschalter als wirksamen Weg für neue Chats. Die Existenz des Formulars widerspricht dem für sich genommen nicht. Quelle: Data Controls FAQ.
Beweist eine Bestätigung im Privacy-Portal vorheriges Training?
Nein. Sie dokumentiert die Bearbeitung eines Antrags. Daraus lässt sich nicht ablesen, ob konkrete frühere Chats tatsächlich in einem Trainingslauf verwendet wurden. Die Screenshots enthalten keinen solchen Nachweis.
Löscht ein Trainings-Opt-out meine bisherigen Chats?
Nein. Trainingsnutzung und Speicherung sind getrennte Vorgänge. Für das Entfernen vorhandener Inhalte gelten die jeweiligen Löschregeln. Quelle: Chat- und Dateiaufbewahrung.
Die Einordnung von KI Weekly
OpenAI sollte unmittelbar am Schalter erklären, wie er mit dem Privacy-Portal zusammenhängt. Wer bei einer Datenschutzeinstellung erst mehrere Hilfeseiten abgleichen muss, hat einen guten Grund für Rückfragen. Die Screenshots rechtfertigen Kritik an der Verständlichkeit. Für die weitergehende Behauptung, OpenAI ignoriere den Trainingswiderspruch, liefern sie keinen abschließenden Nachweis.
Kommentare (0)
Der Kommentarbereich wird geladen, sobald du ihn erreichst.
Weiterlesen
Weitere Blogbeiträge
OpenAI hackt Hugging Face: Was beim KI-Test schiefging
GPT-5.6 Test: Benchmarks, Preise und Erfahrungen

ChatGPT Tokens erklärt: zählen, Limit & Kosten verstehen

