In partnership with

Deutschlands #1 KI-Newsletter

Guten Morgen, 🌞

Macht KI uns dümmer – oder klüger in den Dingen, die wirklich zählen?

Das haben wir dutzende Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik gefragt und hier sind die besten vier Antworten:

- 01 -

Prof. Dr. Armin Grunwald

… ist Leiter des Instituts für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse und zählt zu den wichtigsten deutschen Stimmen in der Technikethik. Als langjähriger Leiter des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag prägt er maßgeblich die wissenschaftliche Politikberatung zu Digitalisierung, KI und nachhaltiger technologischer Entwicklung.

„Menschliche Fähigkeiten, die nicht praktiziert werden, verkümmern. Das gilt auch für das Denken.“

Warum soll man noch mühsam Fremdsprachen lernen, warum soll man noch selber Texte schreiben, ja, warum sollten wir überhaupt noch lernen, wenn man für alles eine KI fragen kann, die das sowieso besser weiß? Ist es nicht einfacher und sogar besser, die KI denken zu lassen, statt selber zu denken?

In der Tat ist die menschliche Neigung groß, vieles der KI zu überlassen, ob aus Zeitdruck, Bequemlichkeit, weil man glaubt, die KI könne es besser, weil es modern ist oder weil alle es so machen. Die KI wird schon recht haben, so heißt es.

Menschliche Fähigkeiten, die nicht praktiziert werden, verkümmern. Ob nun Trompete spielen, Fremdsprachen beherrschen oder handwerkliches Geschick: was nicht praktiziert wird, verschwindet allmählich. Das gilt auch für das Denken. Um das zu wissen, braucht es keine psychologischen Studien.

Aber Menschen sind unterschiedlich. Manche werden das eigenständige Denken zunehmend abgeben und sich weitgehend auf KI verlassen. Andere hingegen werden die Freude am eigenständigen Denken nicht verlieren, sich aber gerne der KI zur Unterstützung bedienen. Manche würden dümmer, andere aber nicht. Es könnte zu einer neuen gesellschaftlichen Spaltung kommen: Die einen bauen ihre Denkfähigkeiten mithilfe von KI weiter aus und gewinnen an Einfluss, die anderen rutschen in eine neue Unterschicht ab, die vor allem gelernt hat zu konsumieren.

- 02 -

Lukas Hermanns

… ist Doktorand im Bereich Digital Service Engineering an der Technische Universität Berlin und forscht zu Human KI Interaction, insbesondere zu Entscheidungsfindung. Sein Schwerpunkt liegt auf der praxisnahen Analyse, wie Menschen mit KI Systemen in realen Entscheidungssituationen umgehen.

„KI macht nicht automatisch klüger – sie kann verstärken, was bereits da ist: Kompetenz oder Ignoranz.“

KI hat das Potenzial, unsere geistige Leistungsfähigkeit enorm zu steigern – vorausgesetzt, wir setzen sie richtig ein. Mit kurzen, präzisen Prompts kann man sich heute zu nahezu jedem Thema von generativen Systemen briefen lassen – oft in einer Qualität, für die vor wenigen Jahren Stunden, Tage oder sogar Wochen intensiver Recherche nötig gewesen wären.

Doch genau hier liegt der Haken: Dass LLM-Chatbots schnell und überzeugend klingende Antworten liefern, ist Fluch und Segen zugleich. Denn zuverlässig erkennen wir Halluzinationen, Auslassungen oder schlichte Fehlschlüsse meist nur dort, wo wir selbst bereits genug Expertise besitzen. Wer KI unreflektiert für Aufgaben nutzt, die er ohne sie nicht bewältigen könnte – etwa weil das nötige Fachwissen fehlt –, läuft zwangsläufig Gefahr, gravierende oder peinliche Fehler zu übernehmen, weil die Qualität des Outputs nicht beurteilt werden kann.

Der Nutzen von KI ist daher ungleich verteilt: Besonders profitieren werden Expertinnen und Experten sowie Menschen mit hoher Nutzungskompetenz – also mit einer klaren Validierungsstrategie und Medienkompetenz. Wer Funktionsweise, Stärken und Grenzen generativer KI versteht, kann durch sie tatsächlich klüger oder zumindest effizienter werden. Für alle anderen erzeugt sie – trotz des großen Potenzials – leicht ein trügerisches Gefühl von Kompetenz – eine geliehene Intelligenz, die dem Praxistest nicht standhält. Am Ende entscheidet also nicht die KI, sondern der Mensch: ob er sie als Werkzeug für besseres Denken nutzt – oder sich das kritische Denken abgewöhnt.

- 03 -

Dr. Thomas Pauls

… ist Wirtschaftswissenschaftler und Bundestagsabgeordneter, engagiert im Ausschuss für Digitales und Staatsmodernisierung. Er bringt wissenschaftliche Expertise aus Forschung und Strategiearbeit mit und setzt sich für Digitalisierung im Gesundheitssystem, soziale Gerechtigkeit und praxisnahe Politik ein.

„Der entscheidende Hebel ist digitale Selbstwirksamkeit (…)“

Durch den rasanten Fortschritt der KI stehen wir vor einer enormen Transformation – vermutlich der gravierendsten und schnellsten der Menschheitsgeschichte. Moderne Sprachmodelle machen das Wissen der Welt per Textbefehl verfügbar. Sie ermöglichen es, aus wenigen Stichworten ganze Texte oder Bilder zu erzeugen, und entlasten uns von vielen Routineaufgaben.

Entscheidend bleibt jedoch, wie wir KI nutzen: Übernehmen wir KI-generierte Inhalte ungeprüft, so lernen und entwickeln wir nichts Neues, sondern reproduzieren Bekanntes – mitunter sogar Fehlerhaftes. Unkritischer Einsatz kann unsere Kreativität, Problemlösungsfähigkeit und Reflexion schwächen.

Wer KI hingegen bewusst und mit Verantwortung einsetzt, kann ihr enormes Potenzial ausschöpfen. Obwohl viele Modelle noch am Beginn ihrer Entwicklung stehen, wird ihr Einfluss in den nächsten Jahren stark zunehmen. Der entscheidende Hebel ist digitale Selbstwirksamkeit: Setzen wir KI aktiv und reflektiert als Werkzeug ein – oder lassen wir uns von ihr leiten?

- 04 -

Rebecca Lenhard

… ist Bundestagsabgeordnete für Bündnis 90/Die Grünen und Sprecherin ihrer Fraktion für Digitales und Staatsmodernisierung. Sie bringt als Informatikerin und frühere IT-Beraterin fachliche Expertise in die parlamentarische Arbeit ein und ist Mitglied im Ausschuss für Digitales und Staatsmodernisierung.

„Die Frage ist nicht, ob KI uns schlauer oder dümmer macht, (…).“

Künstliche Intelligenz verändert unsere Gesellschaft in rasanter Geschwindigkeit. Die Frage ist nicht, ob KI uns schlauer oder dümmer macht, sondern ob wir jetzt die politischen Rahmenbedingungen setzen, die sie zu einem Werkzeug für gemeinsame Gestaltungskraft, demokratische Teilhabe und echte Problemlösung machen. Wenn Regierungen der technischen Entwicklung nur hinterherlaufen, verschenken wir das Potenzial, das KI eigentlich entfalten könnte.

Die rasante Weiterentwicklung von KI bringt jedoch auch neue Herausforderungen mit sich. Mit dem AI Act hat Europa einen Rahmen geschaffen, der Innovation, Rechtssicherheit und Grundrechte verbindet. […] Damit KI in Deutschland verantwortungsvoll und innovativ eingesetzt werden kann, braucht es jetzt eine ambitionierte und grundrechtsfeste Umsetzung des AI Act, bevor Risiken verfestigt und Chancen verspielt werden.

Entscheidend ist, dass KI im Dienst des Gemeinwohls steht. Staat und Verwaltung tragen eine besondere Verantwortung: Sie müssen einen gezielten Einsatz von KI fördern, gleichzeitig aber Maßstäbe setzen, die Grundrechte, Transparenz- und Umweltauflagen praxisnah einbinden. KI kann klug eingesetzt werden, aber nur, wenn Politik den Mut hat, ihre Entwicklung aktiv zu gestalten, statt passiv zu kommentieren.

Diskutiere mit! 👇

Teile deine Meinung zum Thema, indem du unten einen Kommentar schreibst.

Welche Frage sollen wir als Nächstes stellen?

Wir lesen jede einzelne Nachricht und Dein Feedback fließt in die nächste Ausgabe ein – klicke auf den Button unten, um deine Frage einzureichen.

Das war’s schon! 😔

Mehr davon? Hol dir jetzt KI Weekly Plus (kostenlos testen!).

Antworten

or to participate

Weiter lesen

No posts found